Das Deutsche Reich entstand 1871 durch die Vereinigung der norddeutschen Staaten und der süddeutschen Königreiche unter preußischer Führung. An der Spitze des neuen Reiches standen Kaiser Wilhelm I. und Reichskanzler Otto von Bismarck, die Politik und Staatsgeschäfte mit eiserner Hand führten. Das Zweite Reich verzeichnete ein rasantes Wirtschaftswachstum und entwickelte sich zu einer der führenden Industriemächte Europas, insbesondere in der Kohle- und Stahlproduktion. Diese Zeit war auch von kultureller und wissenschaftlicher Entwicklung geprägt, und viele bedeutende deutsche Wissenschaftler und Philosophen trugen zum wissenschaftlichen und künstlerischen Leben der Welt bei. Nach Bismarcks Abgang 1890 änderte sich die Außenpolitik des Reiches, und es geriet zunehmend in Konflikt mit anderen Großmächten wie Großbritannien und Frankreich. Deutscher Militarismus und imperialistische Bestrebungen trugen 1914 zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs bei. Am Ende des Ersten Weltkriegs, 1918, brach das Reich zusammen: Kaiser Wilhelm dankte ab, Deutschland wurde zur Republik und beendete damit die Geschichte des Zweiten Reiches. An ihre Stelle trat die neue Weimarer Republik, die eine völlig neue Ära für das Land einläutete.
Mit der Gründung des Deutschen Reiches im Jahr 1871 wurde ein einheitliches Währungssystem erforderlich, um die bisherigen Währungen zu ersetzen, die sich von Staat zu Staat unterschieden hatten. Die Mark wurde zur offiziellen Währung, und ihre Einführung war ein bedeutender Schritt in Richtung wirtschaftlicher Vereinigung. Die Mark war eine goldgedeckte Währung, was ihr Stabilität und Verlässlichkeit verlieh. Die Prägung von Münzen blieb das Vorrecht der Staaten, sie mussten jedoch strengen kaiserlichen Standards entsprechen. Das bedeutete, dass Aussehen und Nennwert der Münzen im gesamten Reich einheitlich waren, die Münzen jedoch das Porträt oder Wappen des jeweiligen Herrschers zeigten. Die wichtigsten Nennwerte waren wie folgt: Goldmünzen: Sie bildeten das Rückgrat des Währungssystems. Sie wurden in zwei Nennwerten geprägt: 10 Mark und 20 Mark. Diese Münzen bestanden aus reinem Gold und waren auch im internationalen Handel äußerst wichtig. Silbermünzen: Die kleineren Nennwerte wie 1 Mark, 2 Mark, 3 Mark und 5 Mark bestanden aus Silber. Sie wurden im alltäglichen Zahlungsverkehr verwendet. Nickel- und Kupfermünzen: Die kleinsten Stückelungen wie 1 Pfennig, 2 Pfennig, 5 Pfennig und 10 Pfennig wurden aus Kupfer und Nickel hergestellt. Sie deckten den Bedarf für kleinere Einkäufe und Transaktionen. Die Münzprägung im Deutschen Reich hatte nicht nur wirtschaftliche, sondern auch politische und symbolische Bedeutung. Das einheitliche Währungssystem demonstrierte die Einheit und Stärke des Reiches und förderte zudem Handel und Wirtschaftswachstum. Die Porträts der Landesherren auf den Münzen spiegelten zudem ein gewisses Maß an Autonomie innerhalb des Reiches wider. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs ab 1914 wurde die Prägung von Goldmünzen eingestellt, und ein zunehmender Teil der Edelmetalle wurde von der Kriegswirtschaft absorbiert. Silbermünzen wurden teilweise durch Münzen aus billigeren Metallen ersetzt, und gegen Kriegsende kam auch Notgeld auf. Dieser Wandel verdeutlichte deutlich die wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges, der schließlich zum Zusammenbruch des Reiches führte.