Der Vichy-Staat, offiziell der französische Staat (État français), war ein französischer Marionettenstaat, der während des Zweiten Weltkriegs von 1940 bis 1944 existierte. Der Staat wurde von Marschall Philippe Pétain geführt und nach der Stadt Vichy, dem Regierungssitz, benannt. Der Vichy-Staat wurde nach der deutschen Besetzung Frankreichs gegründet, nachdem die französische Regierung am 22. Juni 1940 einen Waffenstillstand mit Deutschland unterzeichnet hatte. Gemäß den Bedingungen des Waffenstillstands wurde Frankreich in zwei Zonen aufgeteilt: eine nördliche Zone unter deutscher Besatzung und eine südliche, theoretisch unabhängige Zone, die von der Vichy-Regierung kontrolliert wurde. Obwohl der Vichy-Staat theoretisch unabhängig war, war er in Wirklichkeit weitgehend von den Deutschen abhängig. Pétains Regierung verfolgte eine Politik der Kollaboration mit den Deutschen und beteiligte sich aktiv am Holocaust und anderen deutschen Verbrechen. Die Vichy-Regierung erließ antisemitische Gesetze, entzog den Juden ihre Rechte und ihr Eigentum und half den Deutschen, Juden in Todeslager zu deportieren. Die Innenpolitik des Vichy-Staates war autoritär und konservativ. Pétains Regierung schaffte die demokratischen Institutionen der Dritten Republik ab und führte ein autoritäres System ein. Unter dem Motto der „nationalen Revolution“ proklamierte die Regierung eine Rückkehr zu traditionellen Werten und unterdrückte die politische Opposition. Der Vichy-Staat hörte 1944 auf zu existieren, als die alliierten Streitkräfte Frankreich befreiten. Pétain wurde wegen Hochverrats zum Tode verurteilt, das Urteil wurde jedoch später in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt.